Rezensionen

Rezension zu: „Dark Noise“ von Margit Ruile

„Hello Darkness, my old friend,
I’ve come to talk to you again“

Jeder kennt vermutlich diese ersten zwei Zeilen aus dem Song „Sound of Silence“, der in diesem Buch auch eine nicht gerade kleine Rolle spielt. Ich kriege trotzdem jedes Mal Gänsehaut, wenn ich die Zeilen lese, denn hat nicht jeder von uns so eine Dunkelheit in sich? Einen Abgrund, der darauf wartet, dass er uns verschlingen darf? Die Dämonen, die uns im Nacken sitzen?

Zum Inhalt:

Zafer arbeitet als freiberuflicher Bildretuscheur. Und er ist der Beste. Er kann sogar die Wassertropfen auf einer Sektflasche so täuschend echt nachbilden, dass der Betrachter seiner Filmsequenzen glaubt, er würde sich darin spiegeln. Einen Mann in das Überwachungsvideo einer Tiefgarage einzufügen ist dagegen ein Kinderspiel. Merkwürdig ist nur, dass dieser Auftrag anonym war.

Tage später erkennt Zafer durch Zufall eines seiner Videos in den Nachrichten über einen Journalistenmord wieder. Es zeigt, wie der mutmaßliche Täter den Tatort, eine Tiefgarage, verlässt.
In Wirklichkeit ist der Mann nie dort gewesen. Aber das weiß nur Zafer.

 

Wie mir das Buch gefallen hat:

Es ist immer wieder ein wahnsinnger Gedanke, wie viel man heutzutage mit dem Computer retuschieren kann, das hat mich an dem Buch gleich begeistert. Während man Zafer über die Schulter schaut, bekommt man eine gute und ausführliche Beschreibung des Vorgangs des Retuschierens, die auch Laien verstehen. Trotzdem bleibt ein komisches Gefühl im Kopf hängen, denn kann man Bildern eigentlich überhaupt noch trauen?

Der Schreibstil des Buch ist relativ nüchtern, was aber gut zu dem Thema und zu Zafer passt, dennoch ist es spannend geschrieben und man merkt gar nicht, wie die Seiten so dahin fliegen, denn die Geschichte zieht einen sofort in ihren Bann. Ganz toll fand ich an der Schreibweise, dass man einen ganz anderen Blick auf die Welt bekommt, denn durch Zafers Augen sehen wir die Perfektion in der Welt und so viele kleine Details, die er bei seiner Arbeit braucht und auch im echten Leben beobachtet. Dadurch merkt man als Leser erst, aus wie vielen kleinsten Teilen sich unsere Welt tatsächlich zusammensetzt und das war eine schöne Erfahrung.

Immer wieder gibt das Buch auch eine Art „Zukunftsaussicht“ und zeigt, wohin unserer Überwachungswut und unserem Sicherheitszwang noch führen könnte und wie gläsern wir als Menschen letztendlich werden könnten, was immer wieder zum Nachdenken anregt und ziemlich erschreckend ist, denn auch wenn man nichts Falsches gemacht hat, will man wirklich alles von sich preisgeben?

Zafer als Figur habe ich gleich liebgewonnen, er ist nur am PC voll in seinem Element, draußen in der Welt fühlt er sich immer nur als Beobachter, der außen steht, aber nicht dazugehört. Er ist dadurch irgendwie unbeholfen und das macht ihn sehr sympathisch. Außerdem zeigt sich im Laufe des Buches seine Willensstärke, die man am Anfang gar nicht so erwartet hätte, es kommen also jede Menge Überraschungen auf den Leser zu.

 

Mein Fazit:

Wer sich für das Thema Bildretusche und Überwachung interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen, es vermischt sehr viele Elemente und ist spannend geschrieben, ohne dabei zu viele Schnörkel zu haben. Gleichzeitig zeigt es auch, wohin ein Überwachungsstaat führen könnte und regt zum Nachdenken an. Glaubhafte Figuren und ein bisschen Science Fiction machen das Buch echt zu einem Erlebnis.

 

4 von 5 Theos

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