Rezensionen

Rezension zu: „Ich soll nicht lügen“ von Sarah J. Naughton

Jetzt, im Herbst, bekomme ich immer besonders große Lust auf Thriller, die passen so schön zu der düsteren Stimmung außen, da kann man sich so richtig schön gruseln 😉 Auf dieses Exemplar bin ich mehr oder weniger zufällig gestoßen, weil mich der Klappentext sehr ansprach. Generell mag ich nämlich Geschichten, bei denen man sich bis zum Schluss nicht sicher sein kann, wer nun lügt und wer die Wahrheit sagt, das ist richtig spannend. Aber lest selbst, was ich so zu dem Buch zu sagen habe.

 

Zum Inhalt:

Zwei Frauen umkreisen einander in einem Netz aus Lügen. Wer ist Täter, wer ist Opfer?
»Er war die Liebe meines Lebens.«
»Warum wusste ich nicht, dass mein Bruder verlobt ist?«
»Er war depressiv und wollte sich umbringen.«
»Mein Bruder hatte keine Depressionen.«
»Er ist einfach gesprungen.«
»Und wenn ihn jemand gestoßen hat?«
»Ich bin die Liebe seines Lebens.«
»Bist du seine Mörderin?«
Mags‘ Bruder Abe liegt im Koma. Er ist von einer Treppe zwölf Meter in die Tiefe gestürzt. Die Polizei glaubt seiner Verlobten Jody, dass es ein Selbstmordversuch war. Mags glaubt ihr nicht. Sie ist sicher, dass Jody lügt. Aber warum?

 

Wie mir das Buch gefallen hat:

Was erstmal richtig klasse ist: Dieses Buch lässt keine unangenehmen Themen aus. Es geht um Kinderpornographie, Rassismus, Jugendarbeitslosigkeit, verschiedene psychische Erkrankungen wir Borderline und Alkoholsucht, Gewalt gegen Frauen, Homosexualität, Probleme in Familien. Hier wird nicht in voyoristische Details gegangen, aber man merkt, dass die Autorin keinen klassischen Thriller schreiben wollte, in der die Gefahr nur gefühlt ist, hier findet man tatsächlich die Abgründe der Menschheit. Mags, die Hauptfigur, ist hierbei das genaue Gegenteil einer Heiligen, ein schwieriger Charakter, mit dem man erst warm werden muss; sie ist dadurch aber auch sehr menschlich, im Gegensatz zu Jody, der Verlobten von Mags‘ Bruder, die vor allem am Anfang eher wie nicht von dieser Welt scheint.

Im Laufe der Geschichte meint man als Leser, der Wahrheit schon sehr nahe gekommen zu sein und wird dann doch überrascht, dass man genau in die falsche Richtung unterwegs war und wieder überlegen muss: Wer lügt mich an? Wer weiß tatsächlich, was passiert ist? Die Wahrheit zu sagen ist für alle Figuren in dem Buch nicht einfach, denn jeder hat etwas zu verbergen und keine möchte sich seine Schwäche eingestehen, deswegen schweigen alle am Anfang, die meisten um sich selbst zu schützen. Denn das Kartenhaus, das alle errichtet haben, will niemand mehr verlassen, zu einfach ist das Leben darin geworden. Aber am Ende wird jeder gezwungen, seinen Lebensplan zu überdenken und das fand ich sehr schön gemacht.

Generell taucht man sehr schnell in die Geschichte ein und kommt gut vorwärts, es sind keine verschnörkelten Sätze, sondern eine geradlinige Sprache, die sich sehr natürlich angefühlt hat. Es wird jetzt schwierig, das Buch noch weiter zu bewerten ohne etwas Wichtiges zu verraten, aber nur so viel: Der Ausmaß der Hintergrundgeschichte ist wirklich überraschend, das ist sehr gut ausgedacht und geplant von der Autorin.

 

Mein Fazit:

So viele „Problemthemen“ auf einmal habe ich schon lange nicht mehr in nur einem Buch erlebt, die Autorin erzählt auf diesem Hintergrund eine spannende Geschichte um Wahrheit und um Gerechtigkeit und wie Menschen unterschiedlich mit Schicksalsschlägen umgehen. Der Leser wird mehr als einmal in die Irre geführt und oft stand ich da und musste meine Haltung überdenken, weil sich etwas als komplett anders herausgestellt hatte. Ein packendes Buch mit gut beschriebenen, realistischen Figuren und präzise gesetzter Dramatik und einer Geschichte, die einem noch lange im Kopf herumspukt. Denn das Schlimmste ist eigentlich, dass solche Dinge, wie sie hier beschrieben werden, jeden Tag in der Welt stattfinden und das ist eigentlich erschreckend.

 

4 von 5 Theos

2 Kommentare zu „Rezension zu: „Ich soll nicht lügen“ von Sarah J. Naughton

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